
Klima und Umwelt in der Schweiz in Umwälzung
Klima- und Umweltmassnahmen wie Umwelttechnik sind wichtiger denn je Der Sommer 2026 geht in die Geschichte ein. Nicht nur in der Schweiz, weltweit. Es ist
Der Sommer 2026 geht in die Geschichte ein. Nicht nur in der Schweiz, weltweit. Es ist einer der heissesten Sommer seit Beginn der Messung. «Überrascht»bzw. «schockiert» – so äusserten sich Schweizer Bundesräte zu den sichtbaren und nicht zu verdrängenden klimapolitischen Tatsachen, die schon vor einigen Jahren durch Wissenschafter angekündigt wurden. In diesem Artikel zeigen wir auf, wie schleichend alles begann und wie es sich entwickelte. Doch nicht nur. Wir zeigen auch Perspektiven auf, Möglichkeiten, die es nicht später, sondern umgehend zu nutzen gilt.
Die Themen im Überblick:
Da wir Menschen uns gerne weiterentwickeln, sehen wir auch relativ schnell, wo sich etwas zu Geld machen lässt. Auch in unserer Umwelt. Laut dem HLS umfasste die Umwelt aus menschlicher Sicht primär die Gesamtheit der Ressourcen von Wald und Landwirtschaft. Später kamen die Wasserkraft, die Elektrizität und der Tourismus dazu.
Die Umwelt galt es zu «unterwerfen» und – mit immer modernerer Technik – diese Ressourcen zu nutzen und zu verwalten.
Die Umwelt wurde in erster Linie als «Aussenwelt» wahrgenommen. Uns zur Verfügung als «freie Ressource ohne eigenes Recht».
Neben dieser ressourcenorientierten Unterwerfung war für unsere Vorfahren wichtig, sich vor den gewaltigen Umweltkatastrophen zu schützen. Menschen, die die Natur «bezwangen», galten darum als Pioniere. So wurden z. B. Tunnelbauten als «die Natur in die Knie bezwungen» eingestuft.
Doch nicht nur das Bezwingen wurde geehrt, sondern auch die Schönheit der aussergewöhnlichen Natur, von der vor allem der Schweizer Tourismus jahrelang profitiert hat. Immer mehr setzte sich darum die wirtschaftliche Nutzung durch.
Zeiten ändern sich, heisst es so schön. Doch Zeiten ändern noch vieles andere. So wurde aus der bedrohlichen Natur eine durch menschliches Verhalten geschwächte und bedrohte Umwelt. Daraus entstanden im 19. Jahrhundert Naturschutz- und Heimatschutzbewegungen. Neu setzte sich der Begriff der «nachhaltige Entwicklung» durch.
Geologische Extremereignisse wie Berg- und Felsstürze, Murgänge, Überschwemmungen und Erdbeben kommen in gebirgigen Ländern wie der Schweiz immer wieder vor. Sie hinterlassen nicht nur Spuren im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung, sondern prägen auch die Landschaft massgeblich mit.
Autoren:
Prof. hon. Dr. Walter Wildi studierte Geologie an der ETH Zürich
Adrian Pfiffner studierte und doktorierte an der ETH-Zürich
Eines sei an dieser Stelle erwähnt: Die Wirtschaft mag einen grossen Anteil zu den Umweltschäden beigetragen haben. Doch wir alle waren und sind froh, dass wir eine Arbeitsstelle haben, die uns unseren Lebensunterhalt ermöglicht. So war es auch früher. Es gibt allerdings ein «trotzdem».
Bis zirka 1860 wirtschaftete die damalige Agrargesellschaft mit «lokal gewonnener Biomasse», das waren 1. Holz, 2. Lebensmittel und 3. Futtermittel.
Die Industriegesellschaft sorgte ab 1950 für aus Deutschland importierte Kohle und mit dem steigenden Wohlstand kam auch das Bedürfnis nach Erdöl und Erdgas auf.Ab 1958 waren fossile Energieträger sehr preiswert. Im Marketing spricht man von einem grösseren Marktpotenzial, wenn Produkte günstiger werden. Dann kann sich auch eine Zielgruppe mit tieferem Einkommen ebendiese Produkt leisten – und finanzkräftige Zielgruppen gehen als Folge verschwenderischer damit um. Es ist kein Wunder, dass mit wachsenden Möglichkeiten der Bedarf an Fläche für Siedlungen zunahm und damit auch der Abfall und die Schadstoffbelastung von Boden, Wasser und Luft, deren Auswirkungen wir immer stärker zu spüren bekommen.
Das Problem war und ist das fehlende Bewusstsein für die begrenzten Ressourcen und für die Folgen, der Schädigung der Natur.
Unsere Wirtschaft entwickelte sich mit der Zeit immer weiter – wenn man «entwickeln» auf Luxus und Wohlstand bezieht. Der Umwelt tat dies, wie bereits erwähnt, weniger wohl. Der Wald wurde – als eine von zahlreichen belastenden Folgen – ab 1950 für den Brennholzbedarf der Industrie übernutzt. Doch nicht alles war per se falsch oder belastend. Die damaligen Arbeitswege waren kurz. So entstanden keine CO2-Ausstösse durch lange Arbeitswege, wie dies heute der Fall ist. Man arbeitete in der Nähe, wo man wohnte und nahm die öffentlichen Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu fahren. Auch die Landwirtschaft arbeitete noch im «grünen» Bereich – zumindest bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dann wurden erste Maschinen und – noch in geringem Umfang – hoffremde Hilfsstoffe eingesetzt.
Unser Bewegungsraum erweiterte sich mit dene ersten Nationalstrassen. In der Folge wuchs der Bedarf an Industrieraum und Siedlungsgebieten weiter an.
Seit dem Jahr 1950 hat sich die Überbauung der Schweiz mehr als verdoppelt! Zirka 130’000 Hektaren Kulturland gingen seitdem verloren.Und weil wir unseren als berechtigt erklärten Wohlstand um jeden Preis erhalten wollen, werden die Böden überdüngt – so gefährdet und regelrecht zerstört. Verschmutzte Luft durch das erhöhte Verkehrsaufkommen auf Land, Luft und Wasser, Düngung, Klärschlamm, giftige Pflanzenschutz- und Futtermittel etc.: Wir setzen unserem eigenen Lebensraum schrittweise ein Ende. Naturnahe Flächen wie Trockenwiesen und Flussauen sind fast völlig verschwunden. Das HSL schreibt:
1950-1990 stiegen der Strassengütertransport auf das Elffache, der Benzinverbrauch auf das Zwölffache, die Anzahl Personenwagen auf das Zwanzigfache, der Luftverkehr wuchs sogar noch stärker, alles begleitet von entsprechenden Lärmemissionen.Die Liste der den natürlichen Lebensraum zerstörenden Massnahmen durch Menschen ist fast unendlich.
Da ist die Industrie, die sich – nicht erst seit heute – gegen alle Einschränkungen wehrt. Dies tut sie, wie andere Wirtschaftsbereiche auch, durch Lobbyismus in der Politik. Vereinfacht heisst das, dass wichtige Entscheidungen und Massnahmen oft jahrelang hinausgezögert oder abgeschwächt werden. Die 1975 einsetzende Rezession führte zu wirtschaftlichen Problemen und so wurde der Umweltschutz einmal mehr nach hinten verschoben.
Nicht selten argumentieren Politiker mit Begriffen wie «Wohlstand», «Wirtschaft» und «Arbeitslose» – kurzum mit Ängsten und «was alles eintreffen könnte».
Umweltschutz bedeutet immer eine gewisse Beschränkung. Heisst, Bauprojekte müssen angepasst werden, was in der Regel mehr Kosten oder weniger Gewinn zur Folge hat.
Vielleicht müssen wir noch mehr Naturkatastrophen erleben. Das Irritierende dabei ist, dass Politik und Wirtschaft – ja oft sogar auch die Landwirtschaft – die Umwelt immer noch ins «Aussen» drängen. Ein Hitzesommer wie 2026 zeigt auf, es gilt mehr als ernst. Zumindest, bis es wieder regnet und wir weiterhin verdrängen können. So werden Umwelt- und Klimaschutz mit jedem Tag teurer, weil uns andere Dinge wichtiger sind und weil wir seltsamerweise glauben, dass sich die Umwelt vielleicht doch noch nach unserem Budget orientiert …
Das Bundesamt für Umwelt BAFU schreibt auf seiner Webseite:
«Wenn Lebensmittel hergestellt, aber nicht konsumiert werden, führt dies zu unnötigen CO2- Emissionen, Biodiversitätsverlust sowie Land- und Wasserverbrauch. 25 Prozent der Umweltbelastung unseres Ernährungssystems sind auf Food Waste (vermeidbare Lebensmittelverluste) zurückzuführen. Dies entspricht etwa der halben Umweltbelastung des motorisierten Individualverkehrs der Schweiz.»Man muss die Zahlen, die weggeworfene Lebensmittel an C02-Emissionen bewirken, nicht ins Detail auswerten. Tatsache ist, wir kaufen viel ein und werfen es irgendwann weg. Anders gesagt:
Wir können ohne Verlust an Wohlstand (!) unsere C02-Belastung massiv einschränken und so einen wichtigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen beisteuern.Alleine der Ersatz von Stromheizungen durch moderne Wärmepumpen kann den Stromverbrauch um bis zu 75 Prozent senken. Möglichkeiten, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, gibt es viele. Doch wir müssten sie umsetzen … Verzichten und Verändern ist nicht so das Ding von Herrn und Frau Schweizer. Zuerst sollen die andern anfangen. Ein fadenscheiniges Argument, das wir auch von politischer Seite immer wieder hören. Gut, dass es noch die Technologie gibt. Sie verspricht Wirkung und lässt uns hoffen, uns doch nicht so viel verändern zu müssen ...
Verzichten will niemand. Darum wird zum Beispiel viel Werbung für Elektrofahrzeuge gemacht. Durch diese werden C02 reduziert – beim genaueren Hinsehen erkennt man jedoch, wie viele Rohstoffe dafür unter verheerenden Bedingungen in Drittweltländern gewonnen werden.
Mehr Hoffnung machen Technologie-Entwicklungen, die weniger Strom brauchen und unseren bisherigen Luxus nicht reduzieren. Die Umstellung von bleihaltigem auf bleifreies Benzin war eine Massnahme mit entsprechend positiver Wirkung. Die Industrie ist aufgefordert, ihre Produktion zu hinterfragen und nach innovativen Lösungen (Stromreduktion, erneuerbare Energie etc.) zu suchen. Entsprechend wichtig ist es auch, in Sachen Umwelttechnologie zu forschen. Erfreulicherweise werden Umwelt- und Klimafragen inzwischen als lukrativer Bereich für Firmen erkannt. So dass die Möglichkeiten, unsere Klima zu schützen, laufend zunehmen.
Ein wichtiger Teil in dieser ganzen Entwicklung ist die Umwelttechnik. Diese kommt zum Beispiel beim Abbruch von Gebäuden zum Tragen. Alte Baustoffe, belastete Böden oder mit Gift durchsetztes Material (z. B. Asbest) werden fachmännisch entnommen und in Reinigungsstellen neu aufbereitet.
Konkret bedeutet Umwelttechnik: technische und technologische Verfahren zum Schutz der Umwelt sowie zur Wiederherstellung bereits geschädigter Ökosysteme. So werden wertvolle Ressourcen wiederverwertet bzw. wieder hergestellt.
Stellen Sie sich vor, sie dürfen weiterleben wie bisher. - Der Unterschied wäre jedoch, dass Sie nur noch so viel einkaufen würden, wie Sie wirklich essen können – ohne dass die Lebensmittel zu gammeln beginnen. - Sie dürfen auch weiterhin stromintensive Tools wie Künstliche Intelligenz KI nutzen. Lustige Grafiken, Bilder, Videos, die Sie dann in den sozialen Medien teilen, weil es andere auch so machen, reduzieren Sie jedoch. Dafür sind die, die sie noch posten, viel aussagekräftiger und werden mehr geschätzt. - Kurzum, wenn wir vom Viel, zum Weniger-ist-mehr kommen, werden wir nicht nur unsere Umwelt besser schützen, wir werden auch besser gehört und wahrgenommen – zumal wir alle nur ein begrenztes Aufnahmevermögen haben.
Wir müssen nicht zurück in die Steinzeit. Und trotzdem können wir von einfacheren Kulturen lernen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: «Wenn viele kleine Menschen viele kleine Dinge tun, verändert sich die Welt.»Genau darum geht es: Wir alle tun unsere kleinen Dinge. Weil Klima und Umwelt ein WIR ist und nicht ein SIE! Es ist ein Zurück zu mehr Lebensqualität und Lebensinhalt – das kostet uns alle weniger und gibt uns mehr ... Schweiz-Kantone.ch, 21.9.2026
Andreas Räber ist Enneagramm-Coach/Trainer, GPI®-Coach, sowie Autor von zahlreichen Blogs, Fachartikeln und Kurzgeschichten aus den Bereichen Industrie, erneuerbare Energien, Beruf, Gesundheit, Natur (Klima und Umwelt) und Leben.

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