
Permakultur: klimafreundlich & weniger arbeitsintensiv.
Permakultur im Garten, auf dem Balkon oder im Hochbeet Der extrem heisse und trockene Sommer 2026 hat uns die Auswirkungen der Klimaveränderung am eigenen Leib
Der extrem heisse und trockene Sommer 2026 hat uns die Auswirkungen der Klimaveränderung am eigenen Leib spüren lassen – und vielleicht ins Nachdenken gebracht. Was können Herr und Frau Schweizer dagegen tun? Ob Permakultur im Garten, auf dem Balkon oder im Hochbeet: Sie ist ziemlich trendy – und das ist gut so. Mehr denn je, denn mit ihren regenerativen Praktiken leistet sie einen wertvollen und wichtigen Beitrag zu drängenden Herausforderungen wie Wassermanagement, Humusaufbau, dem Schliessen von natürlichen Kreisläufen etc. Erfahren Sie hier die wichtigsten Prinzipien der Permakultur – und wie sie das Klima schützen hilft.
Die Themen im Überblick:
Dieser Begriff bedeutet «permanent agriculture» = dauerhafte Landwirtschaft. Das beschreibt auch schon ihr Ziel, nämlich die Lebensgrundlagen nachhaltig zu sichern.
Permakultur bedient sich der Prinzipien der Natur und deren ausgeklügelten Ökosystemen.
Mit ihrer Nachhaltigkeit verfolgt Permakultur klare ethische Werte, nämlich:
Diese Werte stehen im Gegensatz zu unserer westlichen Kultur, die von Konsum und Expansion geprägt ist. Und damit langsam schmerzhaft an ihre Grenzen stösst. Bei und in der Schweiz, aber auch weltweit.
Und es wird nicht besser, wenn wir nicht gewisse Verhaltensweisen wie den Verbrauch von Ressourcen und alltägliche Massnahmen wie z. B. die Verwendung Pflanzenschutzmittel genauer beleuchten. Dazu gehört auch, im ersten Moment als unangenehm wahrgenommene Massnahmen wie zum Beispiel eine gesunde Beschränkung zu akzeptieren und zu leben.
Herr und Frau Schweizer arbeiten hart und lassen es sich gerne gutgehen.
In der Schweiz liegt der Verbrauch an Ressourcen 2,8‑mal höher als das, was nachhaltig wäre.
Am 11. Mai 2026 hatten wir – gemäss den Berechnungen von Think Tank «Global Footprint Network» – die Menge an Ressourcen bereits aufgebraucht, die der Schweiz für das ganze Jahr «zustehen» würde, von dem, was sich bis zum nächsten Jahr wieder regenerieren könnte.
Das bedeutet, dass wir mit unserem Verbrauch Trinkwasser, Böden, Wälder, Rohstoffe, Luft und Klima übernutzen oder schädigen.
Die Konsequenzen sind sinkende Grundwasserspiegel, Versalzung und Versteppung von Böden, serbelnde Wälder, Überfischung, schmelzende Gletscher und Extremwetter – sprich der Klimawandel.
Laut agrarallianz.ch werden schweizweit jährlich über 2000 Tonnen Pflanzenschutzmittel versprüht. Davon schätzungsweise 85 – 90 % in der Landwirtschaft – in direktem Zusammenhang mit der Lebensmittelproduktion. Die Auswirkungen von Pestiziden auf die Biodiversität und die menschliche Gesundheit werden bei der Zulassung der Stoffe zwar überprüft, jedoch nur an wenigen Organsimengruppen und nur in künstlicher Umgebung.
Langzeitwirkungen, Mischtoxizitäten und Cocktaileffekte von Pflanzenschutzmitteln werden kaum bis gar nicht getestet.Niemand weiss, welchen Schaden die Kombination der unzähligen Giftstoffe in der Umwelt und im Zusammenhang mit unserer Gesundheit anrichten.
Bei einer gesunden Beschränkung geht es nicht um Selbstkasteiung, sondern darum, wieder mehr zu diesem Geben und Nehmen zu kommen, wie die Kreisläufe der Natur dies vorsehen.
Und eigentlich scheint es ja nicht so, dass unser Kapitalismus uns unter dem Strich glücklich macht …Zeit, einmal etwas anderes auszuprobieren? Zeit, anstatt des nächsten Städtetripps oder der Shopping-Tour der Natur aktiv ein Stück näher zu kommen und sprichwörtlich vor der eigenen Türe anzufangen? Im Garten oder auf dem Balkon?
Permakultur hat zum Ziel, eine möglichst grosse Biodiversität (Artenvielfalt) zu schaffen und lässt sich auf kleinstem bis grösstem Raum gestalten – unter anderem, um (wieder) ein Bewusstsein für alles Lebendige zu schaffen:
Durch das Studium und die Nutzung der natürlichen Gegebenheiten wie
werden die Pflanzen standort- und bedürfnisgerecht ausgewählt und gesetzt. Stimmen möglichst viele Voraussetzungen, gedeihen die Gewächse optimal.
Das Projekt wird nach dem Vorbild der Natur gestaltet, damit sich möglichst viele eigenständige Ökosystemen etablieren können, da diese zu einer stabilen und widerstandsfähigen Kultur beitragen.
Durch mehrschichtige Bepflanzung, wie sie auch in der Natur vorkommt, entsteht auch im eigenen Garten ein gesundes Mikroklima.
Pflanzenvielfalt statt Monokultur sorgt für mehr Biodiversität und bessere Widerstandskraft der Pflanzen. Pflanzen und Tiere unterstützen einander gegenseitig in kleineren oder grösseren Lebensgemeinschaften bzw. Ökosystemen. Durch unterschiedlich bewirtschaftete Zonen (von intensiv bis Wildnis) entstehen – in grösseren Gärten – verschiedene Lebensräume, gegebenenfalls auch auch für grössere Tiere wie z. B. Hühner, Enten, Schafe, Ziegen etc.
Der Erdboden ist ein eigener Lebensraum mit unzähligen Mikrolebewesen wie Pilzen, Bakterien und Regenwürmern, die Hand in Hand zusammenarbeiten, um Nährstoffe bereitzustellen, Wasser zu speichern und Pflanzen gesund zu halten. Jedes davon hat seine spezifische Aufgabe – und das in einer bestimmten Bodenschicht.
Wird der Boden umgegraben – was lange als selbstverständliche Gartenarbeit galt – wird dieses System schwer durcheinander gebracht, wobei ein Teil der Bodenlebewesen abstirbt.Durch zu häufiges Umgraben kann es paradoxerweise zu einer Verdichtung der Bodenschicht unterhalb der Spatenreichweite kommen. Wasser und Wurzeln kommen dann schlechter durch.
Die Regenwürmer übernehmen die Lockerung des Bodens ganz von selbst.Im Buch «Wildlife Gardening» erklärt der schottische Biologe und Autor Dave Goulson den Regenwurm als eines der wichtigsten Lebewesen auf der Erde. Es gibt mehr als 600 Regenwurm-Arten. Ein Regenwurm kann laut Goulson pro Jahr 4,5 Kilogramm nährstoffreiche Ausscheidungen produzieren und diese sind gehaltvoller als jeder Dünger!
Durch Kompostierung werden organische Abfälle wie Blätter oder Pflanzen-Rückschnitt in wertvollen und hoch wirksamen Dünger verwandelt, der die Pflanzen optimal mit Nährstoffen versorgt. Die Gefahr von Überdüngung ist mit Kompost gering, da die Nährstoffe nicht sofort zur Verfügung stehen, sondern durch Mikroorganismen im Boden langsam freigesetzt werden.
Erdboden sollte nie brachliegen. Beim Mulchen werden Pflanzenabfälle wie Rasenschnitt, Laub etc. dünnschichtig auf den unbedeckten Boden zwischen den Pflanzen verteilt. Diese Massnahme hält die Erde feucht, verhindert Erosion und düngt auf natürliche Weise (als sogenannte Flächenkompostierung). Die Mulchschicht darf allerdings nicht zu dick sein, da sonst Gefahr von Schimmelbildung.
Durch das Sammeln von Regenwasser via Dachrinnen in Tonnen oder Tümpel fliesst der Regen nicht über die Kanalisation weg, sondern steht als wertvolles Giesswasser bereit. Pflanzen bevorzugen Regenwasser!
Ein humoser Boden (wie der durch regelmässige Kompostgaben und fehlendes Umgraben entsteht) fungiert zudem als ausgezeichneter Wasserspeicher.
Aufgrund der Klimaveränderungen kann es sich auch lohnen, sich vom Gartenbauer einen Regenwasser-Tank in die Erde eingraben zu lassen, damit man zukünftigen Trockenperioden besser gewappnet ist.
Mit Permakultur werden mehrjährige Kulturen und dauerhafte Lösungen mit wenig Unterhalt angestrebt.
Durch die überlegenen Vorteile von Mischkultur und Kompostierung fällt die Notwendigkeit von synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln praktisch weg. Mit folgenden Vorteilen:
- Boden und Wasser bleiben unbelastet von unnötigen Chemikalien
- die Fruchtbarkeit des Bodens bleibt erhalten
- Sauberkeit der Gewässer bleibt erhalten
- bzw. können sich wieder etwas erholen.
- Das Gesundheitsrisiko für Menschen und Umwelt sinkt
Die Natur ist am Anschlag und wir bekommen die Auswirkungen davon immer mehr zu spüren. Niemand will das – und wir alle sitzen im gleichen Boot.
Permakultur leistet einen wertvollen und wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung unseres Lebensraums.Dabei hat sie die Intention, ein Bewusstsein für die natürlichen Kreisläufe des Lebens zu schaffen, diese positiv zu nutzen und gesunde Werte zu etablieren. Permakultur arbeitet mit der Natur zusammen und fördert die Gesundheit von Mensch und Umwelt.
Und wir können im eigenen Garten oder auf dem Balkon einen wertvollen Beitrag dazu leisten.
Schweiz-Kantone.ch, 7.9.2026/Tabea Räber
Tabea Räber, Texterin, Orthografie-und-Grammatik-Prüferin, Hobbygärtnerin, Leseratte, ruhender Pol. Sie ist regelmässige Autorin für Artikel rund um Gartenpflege und Gartenbau.

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