
Schweizer Hilfswerke: «Helfen, ohne zu fragen wem!»
Hilfe als Verständlichkeit Die Schweiz ist bekannt für ihre humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten oder Nothilfe in Entwicklungsländern. Hilfe, wo Menschen am Verhungern sind. Entwicklungshilfe, damit
Die Schweiz ist bekannt für ihre humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten oder Nothilfe in Entwicklungsländern. Hilfe, wo Menschen am Verhungern sind. Entwicklungshilfe, damit Menschen für ihr eigenes Einkommen sorgen können. Hilfe für Tiere, damit diese nicht Aussterben. Den Nächsten (Mensch, Tier und Natur) sehen, wahrnehmen und unterstützen, auch wenn er räumlich noch soweit weg ist. Wie ist es zu diesen Schweizer Hilfswerken gekommen? Warum ist uns Entwicklungshilfe und Soforthilfe wichtig. Mehr dazu in diesem Artikel.
Die Themen im Überblick:
Es war im Jahr 1991 als ich mit ein paar Freunden und vier Fahrzeugen nach Rumänien fuhr. Unser Ziel Hilfsgüter für eine Stadt in der Nähe der russischen Grenze. Die Grenzen zu Rumänien sind kurz vorher geöffnet worden und wir wollten diese Möglichkeit nutzen für den Hilfsgütertransport. Meine Freunde hatten Kontakt zu einer Kirchgemeinde in dieser Region. Über diese würden die Hilfsgüter dann an die Menschen verteilt werden, die wirklich Hilfe brauchten, so unser Plan.
Als wir über die Grenze von Ungarn nach Rumänien fuhren, hatte ich den Eindruck 50 Jahre in die Vergangenheit zurück geworfen zu werden.
Ich war sprachlos. Die Folgen von einem Land zu sehen, dass irgendwann in der Entwicklung stehen geblieben ist oder besser gesagt, von einer kommunistischen Regierung unterdrückt wurde, fühlte sich krass an.
Nach einer langen Fahrt, wollten wir irgendwo, ausserhalb der Stadt auf dem Land an der Strasse anhalten und etwas essen. Kaum haben wir angehalten, rannten Feldarbeitende auf uns zu. Die Menschen trugen alte, zerrissene Kleider. Ein Mann kam auf mich zu und sagte zu mir:
«Mister, I have nothing!»
Denn da wurde mir bewusst, dass ich viel hatte – und es nicht mal wahrnahm und wenn doch, dankbar dafür war.
Diese und weitere Begegnungen mit der unverfälschten Wirklichkeit der Armut, haben mich bis heute geprägt.
Auch wenn ich vieles an der Schweiz heute als sehr fragwürdig empfinde, so tut mir diese Hilfsbereitschaft und der Einsatz der Schweizer Hilfswerke enorm gut.
Geschieht irgendwo auf der Welt ein Ereignis wie ein heftiges Erdbeben, eine Überschwemmung, extreme Hitzewellen, etc., haben diese grosse Auswirkungen auf die Lebensumstände für betroffene Menschen vor Ort.
Not verbindet, lässt Abgrenzendes vergessen. Hilfe ist angesagt.
Schnelles Handeln rettet mehr Leben, als langsames. So wird innert kurzer Zeit im Schweizer Radio für Spenden für «die Glückskette» geworben. Unsere Briefkästen füllen sich mit Spendenbriefen von Ärzte ohne Grenzen, Helvetas, Swissaid und vielen anderen bekannten Schweizer Hilfswerken.
Essen und Notunterkünfte – sie verhindern Seuchen und Armut. Die Erfüllung von Grundbedürfnissen zeigen Betroffenen, sie sind nicht alleine.
Nächstenliebe kennt keine Grenzen und räumliche Distanz…
Schnelle Hilfe ist wichtig, langfristiger Aufbau im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe auch. Zum Beispiel Hilfswerke wie Pro Senectute, die ältere Menschen unterstützen, Rheumaliga für Menschen mit Rheuma, Krebsliga für Krebsbehandlung und -prävention, die Winterhilfe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen – oder auch Schweizer Hilfswerke Lepra-Mission Schweiz. Letztere habe ich für diesen Artikel als Beispiel für vergessene Menschen und langfristigen Aufbau herausgepickt.
Wer ist die Lepra-Mission Schweiz und was sind ihre Ziele?
Lepra ist uns Schweizer:innen fern. Sie ist unvorstellbar. In unseren Gedanken bereits ausgerottet. Doch was aus unserem Sinn ist, ist nicht aus unserem Leben…
Lepra ist ein Sinnbild für Hilfeleistungen für Menschen, die drohen in der weltweiten Entwicklung vergessen zu gehen. Lepra ist unserem Alltag fern. Sie ist unsichtbar. Und das macht es für betroffene Menschen so schwierig!
Damit dies nicht geschieht, hat sich die Lepra-Mission drei Ziele gesetzt:
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Die erste internationale Lepra-Mission wurde bereits 1874 vom in Irland geborenen Wellesley Bailey, gegründet.
Die Lepra-Mission Schweiz entstand 31 Jahre später, im Jahr 1905, und ist eines der ältesten Schweizer Hilfswerke.
Als Vergleich:
gegründet.
Doch wie ist diese christliche humanitäre Grundhaltung entstanden? Informationen finden wir im Bundesarchiv bar.admin.ch.
Das humanitäre Engagement der offiziellen Schweiz begann 1863 mit der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, kurz IKRK, auch Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung genannt. Den meisten von uns ist deren Gründer Henry Dunant noch bekannt. Dunant war ein Schweizer Geschäftsmann mit humanitärer christlicher Grundhaltung.
Seine Geschäftstätigkeit führte ihn 1859 in die Nähe der italienischen Stadt Solferino. Dort wurde er Zeuge der Auswirkungen des Krieges zwischen Österreich und der Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs. Ein Jahr später wurde in Genf das Internationalen Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege IKRK gegründet.
Von Dunant stammt das Zitat:
«Helfen, ohne zu fragen wem!»
das, die christlich humanitäre Grundhaltung bereits andeutet.
Die ersten schweizerischen humanitären Einsätze fokussi erten sich dann zu mal noch auf Kriegsopfer
Der Krieg bleibt auch später einer der vorerst wichtigsten Gründe für humanitäre Hilfe. Die sichtbaren und grossen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges führten zu der Gründung sogenannten «Schweizer Spende». Diese war eine öffentliche Sammlung des Schweizer Volkes für Kriegsgeschädigte in Europa und existierte von 1944 bis 1948.
Sie sollte Ausdruck der Solidarität mit den Opfern des Zweiten Weltkrieges sein. Mit den Kantonen und privaten Hilfswerken, unterstütze Schweizer Spende 18 europäische Länder mit Hilfsgütern, Experten oder Krediten. Aus der Schweizer Spende entstand 1948 der Verein Schweizer Europahilfe (1944-1954).
Schon damals galten die dringlichsten Hilfeleistungen dem Kampf gegen Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit und dem Kampf gegen die Krankheit.
In Drittweltländern herrscht aufgrund von Armut oft auch Korruption. Was zu einer Unsicherheit für Spender:innen führen kann, ob die Hilfsgüter und Spenden auch wirklich ankommen.
Der Kampf um das eigene Überleben lässt uns Menschen oft auch Dinge tun, die gesetzlos sind.
Es geht nicht um Misstrauen, sondern um Orientierung. Um schweizerische Werte wie Zuverlässigkeit, Transparenz und Vertrauen.
Genau dafür wurde die Zewo geschaffen.
Zewo heisst «Zentrale Auskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen» und hat ihre Tätigkeit 1934 aufgenommen.
Ihr Gütesiegel gilt als einzigartiger Qualitätshinweis für gemeinnützige NPO. Sie wurde 1940 erstmals amtlich registriert und ist seit 2001 eine unabhängige Stiftung.
Das Zewo-Gütessiegel erhalten Schweizer Hilfswerke, wenn sie die 21 Zewo-Standards erfüllen.
Dazu gehören zum Beispiel:
Zewo-Standards schaffen Transparenz. NPO müssen öffentlich Rechenschaft über ihre Tätigkeit ablegen, ihre Finanzen ausweisen und Interessenbindungen offenlegen.
Diese Standards zu erfüllen, kann nur im Interesse der Schweizer Hilfswerke sein. Sind doch Vertrauen und Transparenz enorm wichtig im heute sehr umkämpfen Spendenmarkt.
Menschen helfen gerne anderen Menschen. Diese Bereitschaft zur Hilfe wird leider auch von Betrügern genutzt. SRF.ch berichtet darüber zum Beispiel im Beitrag (16.12.2025) «Vorsicht, Betrug! – Falsche Spendensammler geben sich als gehörlos aus» .
Spenden ja. Doch Vorsicht vor «Spendensammler», die sie direkt auf der Strasse ansprechen – vor allem bei unbekannten Hilfswerken.
Wenn Sie wirklich spenden möchten, können Sie dies auch von Zuhause aus tun, wenn Sie selbst die Zewo-Mitgliedschaft des Hilfswerkes überprüfen konnten.
Manchmal halten wir die Bilder von den Auswirkungen von Kriegen und Krankheiten weltweit, fast nicht mehr aus. Wir fühlen uns hilflos und möchten gerne helfen. Was also tun?
Hilfe sollte immer organisiert sein – mit Hilfswerken mit Mitarbeitenden vor Ort, wie das zum Beispiel Lepra-Mission Schweiz (Zusammenarbeit mit lokal tätigen Lepra-Missionen) tut.
Die zahlreichen Schweizer Hilfswerke können auf eine mittlerweile gut funktionierende Infrastruktur zugreifen, die auch den Aufbau von Prävention ermöglicht. Es muss nicht immer um aussergewöhnliche Ereignisse gehen.
Hilfswerke, die sich langfristig bewährt haben, überprüfen ihre Abläufe laufend und können kostenoptimiert Hilfe leisten.
Beispiel Lepra-Mission Schweiz: Von einer Spende von 100 Franken gehen 82.80 in die Projektarbeit für Menschen mit Lepra und Behinderungen.
Entwicklungshilfe bewirkt, dass Menschen statt in Armut leben, auch in ihrer Lebensfähigkeit gefördert werden. Sie können eine Ausbildung absolvieren und in ihrem Umfeld zu überzeugenden Botschaftern werden.
Klar ist:
Bei der Entwicklungshilfe zu sparen, ist eben keine Sparmassnahme, sondern ein Verdrängen von Aufgaben, die sich eigentlich gar nicht aufschieben lassen, ähnlich wie bei der Klimaveränderung.
Tatsachen auf den Punkt gebracht:
1. Wenn Menschen in Not sind, überschreiten sie nicht nur das Gesetz, sondern auch Landesgrenzen.
2. Auch Krankheiten kennen keine Grenzen und halten sich definitiv nie an unsere Vorstellungen.
Spenden bewirken darum viel mehr, als uns bewusst ist. Heute und Morgen!
© schweiz-kantone.ch, 6.3.2026/Andreas Räber
Andreas Räber, verantwortlich für Schweiz-Kantone.ch, Enneagramm-Coach, Trainer und GPI®-Coach, Autor von zahlreichen Blogs und Kurzgeschichten und selbst ein Vielleser.

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