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News Immer mehr Schweizer wohnen im Eigenheim

Immer mehr Schweizer wohnen im Eigenheim

Über Vorteile, Haustyp, Standort, Bauabnahme

Eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus zu besitzen – wer träumt nicht davon? Doch auf was muss man achten, wenn eine Immobilie gebaut wird? Die wichtigsten Tipps für BauherrInnen auf einen Blick.

Die Themen im Überblick:

Bauratgeber: Über die Wahl des Haustyps, den Standort, die Bauabnahme und vieles mehr.
Bauratgeber: Über die Wahl des Haustyps, den Standort, die Bauabnahme und vieles mehr.

Eine Wohnung gekauft und viel Glück gehabt

Der Traum vom Eigenheim kenne ich nur zu gut. Es war im Jahr 1996 als ich und meine Familie in ein Fertigbauhaus eingezogen sind. Die Bauphase konnte chaotischer nicht sein. Am Ende hatten wir grosses Glück gehabt. Seit dem weiss ich:

Ein Haus kaufen oder bauen, will gelernt sein. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Tipps, wie man sich sicherer vorbereiten kann. Einige seien nachfolgend genannt.

Immer mehr Schweizer wünschen sich ein Eigenheim

Im Jahr 1990 lag die Wohneigentumsquote bei 31,3 %, im Jahr 2000 bei 34,6 %. 2014 betrug sie bereits 37,4 %, Tendenz weiter steigend.

Im internationalen Vergleich ist das der geringste Anteil unter allen europäischen Ländern. In Deutschland wohnen circa 45 % der Bürger im Eigenheim, in Österreich 57 %, in Grossbritannien sogar fast 70 %. Das Bundesamt für Wohnungswesen nennt verschiedene Gründe für die geringe Wohneigentumsquote.

Unter anderem war es bis zum Jahr 1965 ausser im Wallis nicht möglich in Mehrfamilienhäusern Wohneigentum zu bilden.

Seitdem es jedoch ermöglicht wurde, ist ein starker Anstieg des Stockwerkeigentums zu verzeichnen. Ein anderer Grund für die relativ niedrige Eigentumsquote liegt im ungünstigen Verhältnis zwischen Baukosten bzw. Kosten für den Eigentumserwerb und den durchschnittlichen Einkommen.

Vorteile des Wohneigentums

Selbstgenutztes Wohneigentum hat unbestrittene Vorteile:
  • Beispielsweise die grössere Wohnsicherheit, denn es kann einem als Eigentümer nicht gekündigt werden und auch die Miete kann nicht erhöht werden.
  • Ausserdem bietet eine selbstgenutzte Immobilie eine höhere Individualität, denn die Wohnung oder das Haus können nach eigenen Vorstellungen und gemäss den individuellen Bedürfnissen gestaltet werden.
  • Weiter gibt es Steuervorteile für Eigenheimbesitzer.
Deshalb entscheiden sich immer mehr Schweizer dafür, Wohneigentümer zu werden und ein Eigenheim zu bauen oder zu erwerben.

Welcher Haustyp ist der Richtige?

Je nachdem welche Ansprüche an das neue Eigenheim gestellt werden und welcher finanzielle Rahmen gegeben ist, kann man sich für ein freistehendes Einfamilienhaus, ein Reihenhaus beziehungsweise eine Doppelhaushälfte oder eine Eigentumswohnung entscheiden.

  • Einfamilienhäuser sind aufgrund von Grundstücks-, Erschliessungs-, Bau-, Energie- und Transportkosten vergleichsweise kostenintensiv. Dafür bietet das Einfamilienhaus deutliche Vorteile, denn das Gebäude muss nicht geteilt werden und man kann die Immobilie individuell an die eigenen Wünsche und Bedürfnisse anpassen.
  • Reihen- oder Doppelhäuser bieten ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis durch geringeren Landverbrauch und – wenn die technische Infrastruktur gemeinsam genutzt wird – auch Ersparnis beispielsweise bei den Heizungskosten. Reihen- und Doppelhäuser bieten jedoch weniger Privatsphäre als ein Einfamilienhaus, oft sind nur auf zwei oder drei Seiten Fenster angebracht und die Zimmer sind vergleichsweise klein.
  • Beim Kauf einer Eigentumswohnung bzw. von Stockwerkseigentum muss man den Unterhalt der Liegenschaft nicht alleine tragen. Um grössere Unterhaltsarbeiten abzudecken, zahlen alle Parteien Rücklagen in einen Erneuerungsfond ein. Ein Nachteil beim Stockwerkseigentum ist, dass es beim engen Zusammenleben zu Streitigkeiten mit den Nachbarn kommen kann.

Welcher Standort? Fertig kaufen oder bauen von Anfang an?

Nachdem die Entscheidung für einen Immobilientyp getroffen wurde, muss man bestimmen, welcher Standort gewählt werden soll und welche Anforderungen an die
  • Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten,
  • Post,
  • Kindergarten,
  • Schulen und Verkehrsanbindung,
gestellt werden. Entscheidet man sich für ein Haus im Grünen kann es sein, dass man sich ein (Zweit-)Auto anschaffen muss. Ausserdem muss man beschliessen, ob man eine bestehende Immobilie kaufen oder ob man das neue Eigenheim selbst bauen möchte.

Als Bauherr unbedingt Referenzen einholen

Bevor man Bauherr wird, sollte man sich unbedingt Referenzen über die Architekten, Handwerker oder Generalunternehmer einholen, mit denen das geplante Bauprojekt umgesetzt werden soll. Vor dem finalen Vertragsabschluss ist unbedingt Vorsicht geboten und die Verträge sollten im Vorfeld gut geprüft und das Kleingedruckte genau gelesen werden. Auch bei der Zahlungsabwicklung sollte man umsichtig vorgehen und stets nur das zahlen, was wirklich gebaut wurde.

Ein Haus oder eine Wohnung bauen braucht eine gute Übersicht.
Ein Haus oder eine Wohnung bauen braucht eine gute Übersicht.

Unabhängige Bauherrenbegleiter helfen

Zeit- und Kostendruck auf der Baustelle führen dazu, dass es auf Baustellen häufig Baupfusch gibt.

Für unerfahrene Bauherren ist dieser Pfusch oft nicht zu erkennen. Unabhängige Bauherrenbegleiter können den Bauherren dabei helfen, Kosten, Termine und die Qualität des eingesetzten Materials und der ausgeführten Arbeiten zu überwachen.

Ein Bauberater kann etwaige Probleme frühzeitig erkennen und während der verschiedenen Bauphasen die entsprechenden Bauabnahmen auf der Baustelle durchführen.

Als erfahrener Fachmann kann er professionell Mängellisten inklusive dazugehörigem Zeitplan zur Behebung etwaiger Mängel erstellen.

Wenn Mängel nach der Bauabnahme auftreten

Werden offensichtliche Mängel bei einer Bauabnahme nicht erkannt und direkt beanstandet, gelten sie als genehmigt.

Zweifelhafte Mängel wie Feuchtspuren sollten bei der Bauabnahme protokolliert werden, sollten sich daraus Probleme ergeben, kann man auf das Abnahmeprotokoll zurückgreifen. Bei Mängeln an Einrichtungen oder Installationen, die erst nach dem Einzug bemerkt werden können, können in den ersten zwei Jahren nach der Bauabnahme – am besten schriftlich – gerügt werden. Verdeckte Mängel können bis zu fünf Jahre nach der Abnahme beanstandet werden, verheimlichte oder verschwiegene Mängel bis zu zehn Jahre danach.

Bauen oder ein Haus kaufen kann Stress auslösen. Stress kann im Vorfeld bereits reduziert oder verhindert werden.
Bauen oder ein Haus kaufen kann Stress auslösen. Stress kann im Vorfeld durch eine umsichtige Planung reduziert oder verhindert werden.

Tipps vom Coach

Der Traum vom Eigenheim kostet uns viel Zeit, Nerven und Geld.

Das ist im Grunde normal und endet schneller, wenn dies vor dem Vertragsabschluss der Fall ist.

Zeit, Nerven und Geld nach der Fertigstellung, bedeutet, es kann dauern. Baumängel können nie ganz verhindert oder doch verringert werden. Wie erwähnt: vor dem Vertragsabschluss. 

Hier die Tipps:

Zeit und Kraftbudget

Bauen oder ein Haus kaufen ist nicht nur eine finanzielle Frage, sondern auch wie viel Zeit und Kraft man zur Verfügung hat. Träume mögen uns antreiben, aber sie fördern auch die Betriebsblindheit. Mit dem Ziel vor Augen werden bestehende Alltagsverpflichtungen kleiner. Darum gut hinsehen.

Vertrauen ja, aber nicht zu viel

Nur weil man jemanden gut kennt, sollte man nicht einfach vertrauen. Das kann beim Bauen ganz schön ins Geld gehen. Wir sind und bleiben Menschen, die Fehler machen können. Darum möglichst viel im Vorfeld diskutieren und schriftlich festhalten. Das gilt für alle Vorstellungen und Erwartungen. Unsicherheiten sollten ausgesprochen werden.

Genug Zeit einrechnen

Neubauten müssen immer schneller fertig sein - und das ist definitiv nicht gut. Bauherren mögen so Kosten sparen. Zumindest beim Bau. Doch die Gefahr für versteckte Baumängel, die später ins Geld gehen, ist viel zu gross.

Nichts ist so wichtig, wie die Beziehung

Das erworbene Haus mag noch so schön sein, wenn die Beziehung daran leidet, kann man sich nicht daran freuen. Darum auch während der Bauphase unbedingt das soziale Netzwerk pflegen. Besonders Partnerschaft und Familie sind Pflicht!

Einfachheit gewinnt und beruhigt

«Wenn wir schon bauen oder ein Haus oder eine Wohnung kaufen, dann soll es uns gefallen.» So denken wohl die meisten. In der Folge wird der Bau immer komplexer und damit jetzt und beim Unterhalt, teurer. Je einfach eine Bau ist, desto sicherer können BauherrInnen sein, dass es weniger Baumängel und weniger Kosten im Nachhinein gibt. Bedenken Sie, Sie müssen niemandem etwas beweisen!

© schweiz-kantone.ch, überarbeitet am 14.3.2025, Andreas Räber

Autor und redaktionelle Verantwortung schweiz-kantone.ch

Andreas Räber ist Enneagramm-Coach/Trainer, GPI®-Coach, sowie Autor von zahlreichen Blogs, Fachartikeln und Kurzgeschichten aus den Bereichen Beruf, Gesundheit, Bauen, Natur und Leben. 

Andreas Räber, Enneagramm-Coach/Trainer, GPI-Coach, Wetzikon

Quellen und weiterführende Lesetipps

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