Inkasso in der Schweiz

Pro Jahr werden in der Schweiz alleine bei der Intrum Justizia 450‘000 neue Inkasso Fälle eröffnet (Quelle: tagesanzeiger.ch). Inkasso ist offenbar ein lukratives Geschäft – das leider auch unter einem gewissen Ruf leidet. 2014 hatte der Konsumentenschutz eine Liste mit den Ärgernissen des Jahres veröffentlicht. «Gewinner» war: Unerlaubte Inkassoforderungen (konsumentenschutz.ch). Man fragt sich: Geht es nicht anders?

Inkasso: Hinter jeder Forderung steht eine erbrachte Leistung

Inkasso: Hinter jeder Forderung steht eine erbrachte Leistung

Über Inkasso-Firmen wird viel geschrieben. Zum Beispiel in Foren. Dort geht es oft heftig zu und her. Direkte Kritik, ungeschönt, «fadegrad». Man spricht von unseriösen Machenschaften von Inkasso-Firmen. Beispiele gibt es sicher genügend. Der Blick in Kassensturz-Beiträge zeigt ein ähnliches Bild. Inkasso Firmen werden beauftragt, Geld einzuziehen, das (mehr oder weniger …) geschuldet wird. Ärgerlich ist es vor allem, wenn gar keine Schuld besteht und trotzdem gemahnt und gedroht wird. Rollen wir das Thema von Anfang an auf.

Am Anfang steht eine Dienstleistung

Ein Kunde bestellt etwas und erhält eine Leistung oder ein Produkt. Im besten Fall wird alles korrekt geliefert. Produkt und Geld. Alle Parteien sind zufrieden. Nun sind in so einen Verkaufsprozess nicht nur Menschen, sondern auch Programme oder Drittfirmen etc. involviert. Annahme, Übergabe, Unterschrift, Meldung an die Buchhaltung, Rechnungsstellung gemäss Rapport. Schnittstellen gibt es einige. Wo Menschen arbeiten und/oder Software im Spiel ist, passieren Fehler. Zum Beispiel kann eine Rechnung aufgrund eines falsch erfassten Rapports erstellt werden. Wo vieles automatisiert und wo Menge abgewickelt wird, herrscht Zeitdruck. Je mehr Zeitdruck, desto weniger Platz für Vernunft. Viele Beispiele, die im Kassensturz oder anderen Konsumentensendungen über Inkasso-Firmen gebracht werden, so mein Eindruck, hätten in einem persönlichen Gespräch geregelt werden können …

Im Zweifelsfall für den Angeklagten

Es ist, als ob die Vernunft fehlen würde. Dass Fehler auf beiden Seiten passieren können, liegt auf der Hand. Würde mir eine Rechnung eines Inkasso Unternehmens zugestellt, würde ich spätestens nach der zweiten Mahnung direkt zum Unternehmen gehen und ein Gespräch verlangen. Mit allen Unterlagen. Papier nimmt vieles schnell und ungefiltert an. Schriftliche Formulierungen können schnell falsch verstanden werden. 450‘000 Fälle müssen automatisiert angeschrieben werden, oder?

Direktkonfrontation

Es ist über 20 Jahre her, dass ich bei einem amtlichen Anzeiger im Kanton Bern gearbeitet habe. Kleininserate für 15 Franken waren sehr beliebt. Leider für das Blatt auch etwas risikoreich. Denn einige Kunden wussten, dass sich dieser Betrag für eine Betreibung nicht lohnen wird. Also hatten wir den Auftrag, bei Unsicherheiten Vorausbezahlung zu verlangen. Leider klappte dies nicht immer. Mein damaliger Chef hatte noch eine andere Strategie. Er telefonierte nach der ersten Mahnung mit dem säumigen Kunden und erklärte, er wäre froh, wenn die Forderung in den nächsten Tagen überwiesen würde. Diese Direktkonfrontation zeigte in den meisten Fällen Wirkung …

Was ist eigentlich Inkasso?

Über diesen Begriff herrschen viele Gerüchte. Nicht zuletzt auch wegen einigen Dienstleistern in diesem Bereich, die den Fokus nur auf die Eintreibung, statt auf die langfristige Beziehung zum säumigen Schuldner beziehen. Inkasso-Org.ch zeigt Schuldnern unter der Rubrik «Schuldner» auf ihrem Onlineauftritt Inkasso-org.ch bereits mögliche Wege auf.

Inkasso Forderungsmangement: Offene Kommunikation mit Schuldnern
Inkasso Forderungsmangement: Offene Kommunikation mit Schuldnern – Beispiel Inkasso Organisations AG, Baar

Für die Inkasso Organisations AG in Baar ist «Inkasso ist ein betriebswirtschaftlicher Begriff. Damit ist der Einzug von Forderungen gemeint.» Es gehe um Dienstleistungen zur Einbringung von überfälligen Forderungen. Offene und sachliche Kommunikan ermöglicht einen fairen Abschluss für beide Parteien. Es liegt auf der Hand, dass beide Seiten nach einer möglichst fairen Lösung suchen müssen.