Vom Kreditkauf zur Inkassoforderung. der Schuldenberg wächst

Inkasso: Immer schneller zu immer höheren Krediten

Obwohl die Schweiz eines der reichsten Länder der Welt ist, gemessen am durchschnittlichen Pro-Kopf Einkommen, sind viele Einwohner verschuldet. In diesem Artikel wird näher auf die vielfältigen Gründe für die Verschuldung in der Schweiz eingegangen. Ausserdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich ein Inkassoverfahren vermeiden lässt.

Verschuldung in der Schweiz – konkrete Zahlen

In der Schweiz leben vier von zehn Personen in einem Haushalt mit Schulden.

Die häufigsten Gründe dafür sind Zahlungsrückstände oder ein Fahrzeugkauf.

Veröffentlichte Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen zudem, dass acht Prozent in einem Haushalt mit mindestens drei Schuldenarten leben. Bei der Erhebung lag der Fokus auf Konsumschulden. Hypotheken wurden nicht berücksichtigt.

Der häufigste Grund für die Kreditaufnahme ist gemäss BFS der Kauf eines Autos. Fast ein Fünftel (18 Prozent) aller Einwohner besitzt ein Auto, das auf Kredit gekauft wurde. Einen ebenfalls grossen Anteil machen die Steuerschulden aus. Eine von zehn Personen kann die Frist zur Bezahlung der Steuern nicht einhalten.

Hohe Verschuldung bei jungen Menschen

Besonders junge Menschen sind immer mehr verschuldet. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz besagt, dass 38 Prozent der 18-24-Jährigen verschuldet sind. Eine grosse Rolle spielen der Studie zufolge die sozialen Medien. Junge Menschen definieren sich über ihr Profil im Internet. Viele haben noch keine berufliche Perspektive und machen daher den Konsum zu ihrem Lebensinhalt.

Werbung für Kleinkredite

Ein grosses Gewicht in der Verschuldung kommt sicherlich auch der Werbung zu.

Produkte werden immer stärker emotionalisiert. Die Präsenz der Werbung wird immer penetranter, sie verfolgt uns auf unseren Handys und Computern bis ins heimische Schlafzimmer. Es liegt an uns, uns entsprechend zu schützen oder sich klar abzugrenzen.

Wir können immer noch mehr kaufen, ob wir es wirklich brauchen, ist eine andere Frage.

Das Leistungs- und Wachstumsdenken in der Gesellschaft tun ihr übriges. Bescheidenheit wird nicht mehr als Tugend angesehen. Menschen, die im Konsumrausch leben gelten als Idole. Der Konsum-Lifestyle wird als attraktiv suggeriert und die Produkte als notwendig für eine bessere Lebensqualität. Nicht jeder besitzt jedoch genügend Geld und nimmt deshalb Kredite auf.

Was dabei nicht bedacht wird, dass man in der Zukunft vielleicht einmal nicht mehr so viel zu verdient, zum Beispiel wegen Krankheit oder Jobverlust. Man läuft Gefahr, in eine unerwartete Schuldenfalle zu geraten.

Insbesondere die Werbung von Kleinkrediten zur Anschaffung von Konsumgütern ist oft sehr aggressiv und provoziert zum Aufnehmen eines Kleinkredits. Gleichzeitig sind Kleinkredite leicht zu erhalten.

Menschen aus schwachen Einkommensschichten sind besonders empfänglich für diese Art von Werbung und den schnellen Kauf von Produkten wie teure Autos, die mit einem hohem sozialen Status assoziiert werden.

Die EU-Gesetzgeber arbeiten daher an Gesetzesentwürfen, um die Werbung für Kleinkredite einzuschränken.

Wer laufend auf Kredit kauft, baut sich eine gefährliche Ausgangslage bei Lohnausfall aus. Zur plötzlichen Zahlungsunfähigkeit folgen Inkassoforderungen.

Inkassoforderungen

Kann man eine Rechnung über längere Zeit nicht bezahlen, wird man von einem Inkassounternehmen kontaktiert. Diese Unternehmen werden von Gläubigern eingesetzt, um fällige Forderungen einzutreiben.

Ein Inkassoverfahren läuft normalerweise schriftlich ab, der Ton sollte stets höflich und respektvoll bleiben. Da Inkassounternehmen häufig jedoch prozentual an der Rückzahlung der Schulden beteiligt sind, setzen sie alles daran, die Forderung einzutreiben.

Ein Inkassoverfahren kann Schuldner psychisch enorm belasten und sollte unter allen Umständen frühzeitig vermieden werden.

Präventivmassnahmen zur Vermeidung von Schulden

Es gilt, erst gar nicht Gefahr zu laufen, in eine Schuldenfalle zu geraten. Das Beherzigen von einigen simplen Ratschlägen hilft, die Finanzen unter Kontrolle zu behalten:

  • Bar zahlen

Das Zahlen per Bank- oder Kreditkarte erweckt den Eindruck, man würde kein Geld verlieren, da es nicht sichtbar ist. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass wer bar zahlt, weniger ausgibt und sich den Erwerb eines Produktes sorgfältiger überlegt.

  • Nutzen und Dringlichkeit des Erwerbes bewerten

Der wohl wichtigste Punkt: Wird das Produkt oder der Kredit wirklich dringend benötigt, oder kommt der Kaufimpuls aus einer reinen Lust am Konsum? Oft hilft auch, eine Zweitmeinung von guten Freunden einzuholen. Den in der Diskussion und in der Auseinandersetzung, fällt einem viel mehr auf.

  • Rechnungen sofort bezahlen und Schulden nicht ignorieren

Rechnungen bezahlen oder aufschieben ist reine Gewohnheitssache. Wer Rechnungen gleich zahlt, erspart sich viel Zeit und Ärger und vor allem, weiss man, wie viel Geld noch übrig ist für die normalen Ausgaben.

  • Preise von Fixkosten vergleichen

Im Internet gibt es zahlreiche Preisrechner zum Vergleich von Fixkosten wie Telefon,- Strom,- und Internetvertrag. Viele Anbieter bieten zudem Neukundenrabatt an – wenn man regelmässig wechselt, spart man sich so eine Menge Geld.

Letztlich ist  jeder selbst dafür verantwortlich, ob er einen Kredit aufnimmt und die Konsequenzen tragen kann oder nicht. Falls Sie sich bereits in einer Schuldenfalle befinden, sollten Sie sich eine professionelle Schuldnerberatung in Anspruch nehmen. Anbieter gibt es in den meisten Städten sowie im Internet.

Siehe auch:

Quellen