Die Privatradios werden mit No-Billag empfindlich geschwächt

Die No-Billag-Initiative

No-Billag: Eine Bieridee. Laut Wiktionary ist eine Bieridee eine «Idee, die verrückt klingt oder die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung gut/klug erschien, sich aber später als schlecht/dumm herausstellt». Yves Collet aus Winterthur und seine Kollegen, Florian Maier und Christian Zulliger, hatten bei einem Bier im November 2013 die Idee zur No-Billag-Initiative. Collet, damals noch Student in St. Gallen, bekam in seiner Studentenbude regelmässig unwillkommenen Besuch von Billag-Kontrolleuren, obwohl er weder Radio noch Fersehen hatte. Auch seine Kollegen störten sich an den Billag-Gebühren und so starteten sie gemeinsam die No-Billag-Initiative, zur Abschaffung der Zwangsgebühren.

In der Schweiz ist – Stand heute, 9. Januar 2018 – jeder Haushalt verpflichtet, die Billag-Gebühren zu bezahlen, sofern Geräte zum Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen vorhanden sind. Hierzu gehört alles Equipment, mit dem es möglich ist Radio und Fernsehen zu empfangen; also nicht nur klassische Radios und TVs sondern auch Handys, Tablets, Computer und Autoradios. Dabei ist es egal auf welchem Wege die Programme empfangen werden, ob via Satellit, Kabel oder Internet. Ausgenommen von der Billag-Gebührenpflicht sind Menschen, die bestimmte Voraussetzungen zur Gebührenbefreiung erfüllen.

Gebührenbefreiung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann man auf schriftliches Gesuch hin von der Zahlung der Radio- und Fernsehgebühren befreit werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

«Wetten, dass..?»

Erinnern Sie sich noch an die Eurovision-Fanfare, die gespielt wurde, wenn am Samstagabend «Wetten, dass..?» lief? Die Show war eine Eurovision-Kooperation zwischen dem deutschen ZDF, dem österreichischen ORF und dem deutschsprachigen Schweizer Sender SRF. Eine aufwendig produzierte Unterhaltungssendung. An jeder einzelnen Sendung waren jeweils circa 300 Mitarbeiter beteiligt. Die Shows dauerten 150 bis 180 Minuten und wurde regelmässig überzogen. Und jetzt kommt der Clou an der Sache:

Die Sendungen liefen ohne eine einzige Werbeunterbrechung! Wie das möglich war? Durch unsere Rundfunkbeiträge.

Die Deutschen zahlen GEZ-, die Österreicher GIS- (Info Service GmbH) und die Schweizer Billag-Gebühren. Und dank dieser Gebühren konnten wir Sendungen wie «Wetten, dass..?» geniessen.

Sendungen wie Wetten, dass ... liefen dank Rundunkbeiträgen ohne Werbung

Wir finanzieren dadurch aber auch weitere werbefreie Sendungen, wie beispielsweise den Tatort oder auch den «Eurovision Song Contest» (ESC). Sechs Schweizer Künstler treten am 4. Februar 2018 um 20:05 Uhr im Fernsehstudio in Zürich auf. Die Liveshow wird auf SRF zwei übertragen. Der Gewinner der Entscheidungsshow darf die Schweiz im Mai 2018 beim «ESC» vertreten.

Werbefreies Fernsehen?

Im Schweizer Fernsehen läuft immer mehr Werbung. Das Ergebnis der unabhängigen Forschungsstiftung Mediapulse: SRF 1 hat im ersten Halbjahr 2015 während der Hauptsendezeit zwischen 19 und 23 Uhr durchschnittlich 12,5 % Werbung ausgestrahlt. Das sind ungefähr 7,5 Minuten Werbung pro Stunde. Tendenz steigend. Eine Finanzierung des Programms ausschliesslich durch die Billag-Gebühren ist bereits jetzt unmöglich. Sowohl im Radio als im TV werden die Sendungen deshalb regelmässig durch störende Werbeblöcke unterbrochen.

Wer zahlt die Werbung?

Werbung stört den Genuss von Radio- und Fernsehsendungen. Aber jetzt raten Sie einmal, wer die Werbung zahlt? Wir. Die Konsumenten. Die No-Billag-Initiative argumentiert, dass durch die Abschaffung der Billag-Gebühren eine Kaufkraft von 1,3 Mrd. Franken pro Jahr freigesetzt würde. Wenn die Fernseh- und Radiosender sich jedoch durch Werbung finanzieren müssten, dann besteht wie bei allen zusätzlichen Ausgaben die Gefahr, dass die Preise für die Produkte, die wir konsumieren, steigen (Siehe dazu auch Raeber-Leben-Blog.ch: «Zahlungsmoral: Aufschieben oder verdrängen kann zum Bumerang werden»). Denn die Kosten für Werbung zahlt letztendlich immer der Kunde.

Und ganz ehrlich? Mit noch mehr Werbung wäre das Programm kaum zu ertragen.

Abgesehen davon, sinken die Preise für Radio- und Fernsehwerbung ständig. Das Internet ist für die Werbetreibenden als Werbeplattform mittlerweile interessanter geworden. Nicht nur Bannerwerbung sondern auch Werbespots werden den Konsumenten immer häufiger im Internet präsentiert. In einem gebührenfreien Umfeld wäre die Finanzierung unserer schweizerischen Sender nur durch Werbung einfach nicht möglich.

Grosse Verluste für unsere Kulturlandschaft

Die No-Billag-Initiative bedroht nicht nur die grossen öffentlich-rechtlichen Sender in der Schweiz. Sollte die No-Billag-Initiative von den Schweizer Bürgern angenommen werden, könnten auch viele private Schweizer Kanäle keine vernünftigen Sendungen mehr ausstrahlen und müssten ihr Programm einstellen.

Über 20 Rundfunkanstalten sowie 13 private Fernsehstationen sind auf die Unterstützung durch unsere Billag-Gebühren angewiesen.

Ohne unsere Beiträge müssten diese zumeist kleineren Lokalsender ihr Programm einstellen (siehe dazu auch srgd.ch: «Ein Kahlschlag in der Medienlandschaft»).

No-Billag trifft 21 auch Privatradio und 13 Privat-TV-Sender

Keine Sender – keine Jobs

Bei einem Radio- oder Fernsehsender arbeiten Journalistinnen und Journalisten, Redakteurinnen und Redakteure, Reporterinnen und Reporter, Moderatorinnen und Moderatoren. Das sind die Mitarbeiter, die eher im Vordergrund stehen. Aber es braucht noch viele weitere Menschen im Hintergrund, damit ein Programm laufen kann:

  • Spezialisten für Radio- oder Fernsehtechnologie
  • Mediaberater, die Werbetreibenden und Agenturen Medienangebote anbieten (damit die Sender weniger auf unsere Gebühren angewiesen sind)
  • Mitarbeiter in der Buchhaltung, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und im Backoffice
  • und viele weitere…

Es sind sehr viele Menschen als angestellte oder freie Mitarbeiter beim Radio oder Fernsehen beschäftigt. Sie würden, wenn der Sendebetrieb eingestellt würde, arbeitslos.

Falls die No-Billag-Initiative erfolgreich sein sollte, wären auch zahlreiche Künstlerinnen und Künstler (Musiker, Schauspieler, Comedians etc.) betroffen. Sie würden arbeitslos und ihre Programmbeiträge könnten nicht mehr ausgestrahlt werden. Das wäre ein herber Verlust für unsere Schweizer Kulturlandschaft.

Schweizerdeutsches Programm auf RTL?

Neben SRF 1 hat der deutsche Privatsender RTL in der Deutschschweiz die meisten Zuschauer. Aber mal ganz ehrlich. Glauben Sie, dass bei RTL schweizerische Kultur – Volksmusik, Jodel oder Volkstheater in Mundart – oder Schweizer Künstler oder Moderatoren eine Plattform bekämen? – Ich denke, nein.

Selbst unsere schweizerischen Nachwuchstalente, wie beispielsweise die Komikerin Hazel Brugger, sprechen im deutschen Fernsehen Hochdeutsch statt Schwyzerdütsch. (Hazel Brugger tritt übrigens hauptsächlich im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen auf, das durch Pflichtgebühren finanziert wird.) Um die schweizerische Kultur zu erhalten und unsere Mundart zu pflegen, ist es wichtig, die vielfältige Sendelandschaft in der Schweiz zu erhalten. Und dafür sollten wir unseren Beitrag – den Billag-Beitrag – auch weiterhin gerne bezahlen.

Quellen und weiterführende Tipps zum Thema No-Billag